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TAMoLi - Intro (deutsch)

TAMoLi – Texte, Aktivitäten und Motivationen im Literaturunterricht der Sekundarstufe I. Eine binationale Studie der Pädagogischen Hochschule FHNW, der Universität Potsdam und der Universität Hildesheim, gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und dem Programm „Niedersächsisches Vorab“ der Volkswagen Stiftung und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.

Wie werden Lesen und Literatur aktuell vermittelt? Einsichten in die Praxis des Lese- und Literaturunterrichts

PISA und andere grosse Schulleistungsstudien haben auf Defizite im Bereich Lesen aufmerksam gemacht. Seither ist die Aufmerksamkeit der empirischen Bildungsforschung und der Bildungspolitik auf die Sicherung der Lesekompetenz gerichtet. Damit einher geht die kritische Frage, ob dieser Fokus zu Lasten einer literarischen Bildung geht. Die Studie TAMoLi hat bei dieser Diskussion angesetzt und sich dabei auf Schulklassen der Sekundarstufe I in der deutschsprachigen Schweiz und in Deutschland, Niedersachsen konzentriert.  Die Frage nach der literarischen Bildung und ihrer Ausgestaltung ist mit Blick auf das Ende der obligatorischen Schulzeit mit dem Ziel allgemeiner Bildung besonders interessant.

Ziel der TAMoLi-Studie war es den Lese- und Literaturunterricht in der Sekundarstufe I aus Sicht der zentralen Akteure in ihrem gemeinsamen Handlungsraum, dem gemeinsam gestalteten Unterricht zu verstehen.

Einbezogen waren in beiden Ländern (58 Lehrpersonen  je Land, total 116) und ihre Schülerinnen und Schüler (total 2173) aus allen Schultypen der Sekundarschule I (A progymnasiale, B mittlere und C basale Leistungsansprüche). Im Rahmen eines Mixed-Methods-Designs wurden die Daten mit Fragebogen, Lesetests, Unterrichtsdokumentationen, Videographie und Interviews gewonnen.

 

Mit den wichtigsten Ergebnissen zeigt sich

Die Förderung der Lesekompetenz bzw. des Leseverstehens und die literarische Bildung haben beide ihren festen Platz im Deutschunterricht der Sekundarstufe I. Sie werden in den einzelnen Schultypen unterschiedlich gewichtet. Im Typ A wird literarische Bildung mit der Förderung des Leseverstehens kombiniert, im Typ B findet sich die Kombination ebenfalls häufig, im Typ C dominiert hingegen der Schwerpunkt Leseverstehen. Deuten lässt sich dies als eine Antwort auf die PISA-Diskussion und zugleich darauf, dass Literatur in der Sekundarstufe I keineswegs verdrängt wird. (Bertschi-Kaufmann et al. 2018; Böhme et al. 2018)

Die Textauswahl der Lehrerinnen und Lehrer fällt entsprechend aus. Einen überwiegend grossen Teil (72% der im Unterricht vorkommenden Texte) machen literarische Texte aus, insbesondere Kurzgeschichten und Romane. Als wichtigstes Kriterium für die Auswahl von Themen und Genres gilt in allen Schultypen das (vermutete) Interesse der Schülerinnen und Schüler. Der Lehrplan hingegen spielt in der Sicht der Lehrpersonen eine geringere Rolle.

Innerhalb dieser Textauswahl bevorzugen Lehrpersonen politisch-gesellschaftskritische Texte und Texte, die Probleme von Jugendlichen verhandeln. Damit   treffen sie die von den Schülerinnen und Schülern angegebenen Interessen allerdings nur zu einem kleinen Teil. Während nämlich die Jungen u.a. Comics als Freizeitlektüren bevorzugen, sind es bei den Mädchen u.a. die Liebesromane. Schülerinnen und Schüler unterscheiden aber zwischen jenen Interessen, die sie mit Freitzeitlektüren verfolgen möchten und solchen, die in der Schule Berücksichtigung finden sollen. Letztere liegen deutlich näher bei den im Unterricht vorgelegten Texte und es besteht eine gewisse Akzeptanz der Schullektüren. (Siebenhüner et al. 2019)

Die Lesemotivation der Schülerinnen und Schüler differiert (wie innerhalb der Leseforschung bereits mehrfach bestätigt) entlang den Schultypen und des Geschlechts: Mädchen aus dem progymnasialen Schultyp A sind am stärksten lesemotiviert. Einen erkennbaren Einfluss auf die Lesemotivationen ihrer Schülerinnen und Schüler haben Lehrpersonen dann, wenn sie in ihrem Unterricht auf die Lernenden bezogene Ziele verfolgen und wenn die Schülerinnen und Schüler diese Ziele auch wahrnehmen. (Fässler et al. – in Vorbereitung).

 

 

Projektteam


Schweiz

  • Andrea Bertschi-Kaufmann (Pädagogische Hochschule FHNW)
  • Katrin Böhme (Universität Potsdam)
  • Dominik Fässler (Pädagogische Hochschule FHNW)
  • Nora Kernen (Pädagogische Hochschule FHNW)
  • Steffen Siebenhüner (Pädagogische Hochschule FHNW)
  • ehemalig, Erhebung und Statistik: Cornelia Stress

 

Deutschland

  • Irene Pieper (Universität Hildesheim)
  • Simone Depner (Universität Hildesheim)
  • Erhebung und Statistik: Maren Reder (Universität Hildesheim)

 

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Wissenschaftliche Hilfskräfte

 
Schweiz

  • Naja Bächler
  • Benjamin Bieri
  • Leonie Erb
  • Lisa Garberson
  • Livia Nathalie Geiser
  • Lisa Groelly
  • Janosch Kohler
  • Micha Näf
  • Nathalie Pfiffner
  • Cyril Senn
  • Wanda Siegenthaler
  • Tabea Wullschleger